Exponat der Woche

Obduktionsbesteck

Obduktionsbesteck - Foto: Charité Berlin

„Reisebesteck“ wird der Inhalt dieses Köfferchens auch genannt. Hierbei handelt es sich nicht um das Besteck für eine Urlaubsreise oder zum Camping, sondern es geht um die essentiellen Arbeitsinstrumente des Rechtsmediziners, die er bei jeder Obduktion einer Leiche benötigt. Synonym für den Begriff Obduktion (lat. obducere: „bedecken“) ist der Begriff Sektion (lat. sectio: „Schnitt“, „Operation“). Schneiden, Ziehen, Hämmern und Sägen sind die Handgriffe des Obduzenten, die bei einer Obduktion im Sektionssaal durchgeführt werden. Doch nicht nur im Sektionssaal der Rechtsmedizin werden Leichen obduziert, sondern auch an Außenstandorten wie z.B. in kleineren medizinischen Instituten. Hierfür muss der Rechtsmediziner mobil sein und braucht daher sein „Reisebesteck“, das gut verstaut und griffbereit in seinem Koffer mitgenommen werden kann.

Bei dem hier abgebildeten Exponat, dem Koffer mit rechtsmedizinischem Obduktionsbesteck, sind verschiedene Messer, Scheren und auch die Darmschere, Maßband und Bindfaden sowie Pinzetten und sogar eine Säge zu sehen. Unsere Ausstellungsbesucher betrachten hiermit die heutzutage verwendeten „Werkzeuge“ des Rechtsmediziners.
Im Laufe der Geschichte dürften sich diese Werkzeuge des Koffers im Gleichschritt mit dem wissenschaftlichen Fortschritt gewandelt und für die Zwecke der Obduktion verbessert haben. Um aber gerichtlich-medizinische Fälle aufklären zu können, zog man bereits im Altertum sogenannte Experten zu Rate. Vermutlich wurde im Jahre 1302 in Bologna wegen des Verdachts der Vergiftung die erste gerichtlich angeordnete Obduktion durchgeführt, wobei hier wissenschaftliche Ansätze noch gänzlich fehlten. Durch die Zusammenarbeit der Disziplinen Recht und Medizin entwickelte sich bis zum 16. Jahrhundert eine wissenschaftlich fundierte Gerichtsmedizin, die wiederum ab dem 18. Jahrhundert in die universitäre Lehre einbezogen und in das Medizinstudium integriert wurde.

Wieweit die Verwendung vom „Reisebesteck im Koffer“ in die Geschichte zurückreicht, wissen wir nicht, doch wissen wir, wie sehr das Obduktionsbesteck die Aufgaben im gegenwärtigen Berufsalltag des Rechtsmediziners erleichtert und können mit Sicherheit davon ausgehen, dass es für die nahe Zukunft dabei bleiben wird.

Autor: Jonathan Blümel, Medizinhistorisches Museum Hamburg

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