Exponat der Woche

Handtablettenpresse

Handtablettenpresse - Foto: SDTB

Im 19. Jahrhundert durften nur Apotheker Chemikalien herstellen. Deshalb musste, wer an der Chemikalienherstellung interessiert war, eine Apothekerlizenz erwerben und eine Apotheke eröffnen. Aus einigen dieser Apotheken sind noch heute bekannte Chemie- und Pharmafirmen entstanden, wie Riedel, Schering, Merck, Boehringer und andere. Aber nicht alle Apotheker waren an der Entwicklung der Chemie interessiert, die meisten konzentrierten sich auf ihr Kerngeschäft, die Arzneimittelherstellung.

Medikamente wurden damals nach den Angaben des Arztes vom Apotheker in seinem Apothekenlaboratorium speziell für den einzelnen Patienten zubereitet. Erst mit der Entwicklung einer breiteren Versorgung, an der die allgemeine Krankenversicherung einen nicht unerheblichen Anteil hat, kam es zur Entwicklung von standardisierten Arzneimitteln. Es erwies sich als günstig, bestimmte, häufig verlangte Medikamente vorrätig zu halten. Dazu waren die bis dahin üblichen Pulver aber nicht gut geeignet, weil die zu leicht verdarben oder verklumpten.

Inspiriert von der Ziegel- und Brikettfabrikation meldete der britische Maler, Schriftsteller und Erfinder William Brockedon (1787-1854) im Jahr 1843 ein Patent über gepresste Arzneikörper an, die bald die Bezeichnung Tabletten erhielten. Nun konnte der Apotheker von häufig verlangten Arzneimitteln größere Mengen von Einzeldosen schnell und ökonomisch herstellen, die sich anschließend lange lagern, gut verpacken und sogar auf Reisen in andere Klimabereiche mitnehmen ließen.

Zunächst wurden die Tabletten einzeln mit der Handpresse gefertigt, doch schon bald boten die Maschinenhersteller Tablettenpressen an, die, mit einer Handkurbel oder einem Elektromotor angetrieben, die Produktion von mehreren Tausend Tabletten pro Stunde zuließen. Natürlich entdeckte auch die aufblühende Pharmaindustrie diesen lukrativen Markt. Mit ihren größeren Rohstoffressourcen konnte sie deutlich günstiger produzieren. Immer leistungsfähigere Maschinen wurden entwickelt. Heute sind moderne Rundläuferpressen in der Lage, mit 40 Stempelsätzen gleichzeitig 100.000 Tabletten in der Stunde zu produzieren.

Der Apotheker aber ist nur noch Verkäufer von industriell erzeugten Markenprodukten. Und der Arzt? Heute stellt er nicht mehr individuell abgestimmte Arzneien zusammen, sondern sucht sich aus der Roten Liste etwas Passendes heraus.

Exponat des Deutschen Technikmuseums, Berlin

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