Exponat der Woche

Anemometer – vom Wind zum Wohlbefinden

Anemometer - Foto: SDTB

Fast jeder hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass in schlecht belüfteten Räumen das Wohlbefinden stark eingeschränkt sein und es mitunter sogar zu Beschwerden wie Kopfschmerzen kommen kann. Das in früheren Jahrhunderten in den Ländern rund ums Mittelmeer grassierende Sumpffieber führte man auf die schlechte Luft, die aus den Sümpfen in die Städte wehte, zurück und nannte diese Krankheit deshalb mala aria (schlechte Luft). Heute kennt man die wahre Ursache des Fiebers, aber es gibt durchaus Orte, an denen eine ausreichende Zufuhr von frischer Luft lebensnotwendig sein kann. In Bergwerken wurden zum Beispiel schon seit jeher Bewetterungsstollen angelegt, damit immer genügend Frischluft zugeführt werden konnte. Das ist nicht nur wichtig, damit die Bergleute genügend Sauerstoff zum Atmen haben, sondern auch, um schädliche Gase, die sich in den Minen bilden, abzuleiten. In Kohlengruben kommt es bei ungenügender Lüftung immer wieder zu Explosionen.

In der älteren Literatur finden sich Berichte, dass erfahrene Bergleute allein am Gefühl der Abkühlung  durch den Luftzug erkennen konnten, ob die Lüftung im Stollen ausreichend war. Mit wachsender Komplexität der Stollensysteme reichte dieser Erfahrungswert aber nicht mehr aus und es mussten technische Hilfsmittel entwickelt werden, um die Luftströme zahlenmäßig zu erfassen. Diese Instrumente werden als Anemometer oder Windmesser bezeichnet. Anemos ist das griechische Wort für Wind.

Die Abbildung zeigt ein sogenanntes Flügelrad-Anemometer. Eingeführt wurde es von Robert Hooke um 1670, der es zunächst für meteorologische Messungen einsetzte. Aber bald nahmen sich etliche Mineningenieure dieses Geräts an, um es für den Einsatz unter Tage anzupassen. Der bekannteste von ihnen ist Benjamin Biram, der 1842 ein sehr ausgereiftes Modell patentieren ließ. Im englischen Sprachraum wird deshalb diese Bauart auch nach ihm benannt. Die lineare Bewegung des Windes wird in eine Rotation umgesetzt, die Anzahl der Umdrehungen (pro Zeiteinheit) kann an einem Zählwerk abgelesen werden.

Inzwischen gibt es Anemometer unterschiedlichster Bauarten. Alle wurden aus praktischen Bedürfnissen entwickelt. Meist ging es dabei um die Belüftung von Räumen oder Gebäuden, in denen viele Menschen auf engem Raum zusammengepfercht sind, etwa in den Mannschaftsquartieren von Segelschiffen, in Gefängnissen oder Krankenhäusern. Aber auch die Kamine von Öfen oder Heizungsanlagen können ein Gesundheitsrisiko darstellen, wenn der Zug ungenügend ist.  Deshalb finden Anemometer heute in vielen technischen Bereichen Anwendung. Nicht zuletzt bei Klimaanlagen, die dafür sorgen sollen, dass das Wohlbefinden auch nach einem langen Arbeitstag nicht eingeschränkt wird. Dass das häufig mit trockenen Schleimhäuten erkauft wird, ist wieder eine völlig andere Geschichte.

Exponat des Deutschen Technikmuseums, Berlin

Foto: SDTB

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