Exponat der Woche

Kymographion

Kymographion - Exponat des Deutschen Technikmuseums

Dieses etwas seltsam anmutende Objekt trägt den Namen Kymographion. Es ist ein Gerät zur zeitaufgelösten Aufzeichnung von Bewegungen oder Prozessen. Kymo (die Woge) entstammt der griechischen Mythologie, sie ist eine Wassernymphe und Tochter des Nereus. Das zeigt, dass in früheren Zeiten auch Naturwissenschaftler über klassische Bildung verfügten. Heute werden solche Wortschöpfungen eher dem halbverdauten Englisch entlehnt.

Das Kymographion wurde 1846 von dem Leipziger Physiologen Carl Ludwig erfunden. Bei  seinen Forschungen über den Blutdruck suchte er nach einer Möglichkeit, die Schwingungen eines Quecksilbermanometers aufzuzeichnen. Das Herzstück des Instruments ist ein drehbarer Zylinder, der mit weißem Glanzpapier bespannt wird. Dieses wird mit Hilfe einer Gasflamme berußt. In diese Rußschicht lässt sich mit einer locker aufgesetzten Schreibfeder die zeitlich veränderte Druckfunktion quer zur Drehrichtung einritzen.

Der französische Arzt und Fotopionier Etienne Marey führte zum Antrieb der Trommel, einen Federmotor mit Handaufzug ein. Er hatte um 1860 nach Möglichkeiten gesucht, Form und Frequenz des menschlichen Pulsschlags und die Muskelbewegungen von Froschbeinen aufzuzeichnen. Nach weiteren Verbesserungen durch andere Mediziner (wie beispielsweise eine Hemmung, um die Drehbewegung in verschiedenen Geschwindigkeiten ablaufen zu lassen), entwickelte sich dieses Registrierinstrument zu einem Standardgerät in der klinischen Forschung. Mit ihm konnten periodische Zustandsänderungen wie Blutdruck, Atmung, Muskelkontraktionen und Ähnliches kontinuierlich aufgezeichnet werden. Das Besondere an dieser Art Aufzeichnungsgerät ist, dass es nur aus der Registriertrommel besteht. Die Schreibfeder wird an einem separaten Stativ befestigt und steht dort in direktem Kontakt zum Manometer oder Muskel. Sie überträgt deren Bewegungen also direkt. Diese Schreibarme waren deshalb aus sehr leichten Materialien gefertigt (z.B. Stroh oder Aluminiumfolie).

Später ging man dazu über, die mechanische Bewegung in elektrische Impulse umzusetzen. Weitere Verbesserungen in der Aufzeichnung brachten dann Tintenschreiber, die auf weißem Papier registrierten (zum Teil auch mehrfarbig) oder Geräte, die die Kurven mit Hilfe eines Lichtstrahls auf Fotopapier aufzeichneten.

Man kann das Kymographion als Urahn aller Geräte ansehen, die den zeitlichen Verlauf der Änderung eines Messwerts festhalten, egal ob es sich dabei um einen einfachen technischen Temperaturschreiber handelt oder um ein modernes 12-Kanal-EKG.

Das abgebildete Instrument wurde um 1900 von G. Boulitte in Paris hergestellt, einer Firma, die sich bis in die 1930er Jahre vor allem mit der Herstellung von medizinischen Geräten befasst hat.

Exponat des Deutschen Technikmuseums, Berlin

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