Exponat der Woche

Der Baunscheidt’sche Lebenswecker

Baunscheidt'scher Lebenswecker - Exponat des Medizinhistorischen Museums Hamburg

Dieses kleine, fast unscheinbare Gerät trägt den großen Namen „Lebenswecker“ und wurde in den 1840er Jahren von dem Ingenieur und Mechaniker Carl Baunscheidt erfunden.

Baunscheidt litt unter Gicht und starken rheumatischen Beschwerden der rechten Hand. Diese kranke Hand wurde an einem Sommerabend von Mücken zerstochen. Als dann am nächsten Morgen nicht nur die für Mückenstiche typischen Pusteln zu sehen, sondern auch die Schmerzen verschwunden waren, beschloss Baunscheidt, ein Gerät zu entwickeln, mit dem diese Mückenstiche nachgeahmt werden konnten.

Das Gerät, das Baunscheidt entwickelte, gehört zu den sogenannten Nadlungsgeräten und besteht aus einer etwa münzgroßen Scheibe an einem Griff. An dieser Scheibe sind ca. 25-30 Metallnadeln befestigt, die 1-2 mm tief in die Haut gestochen werden. Um das Mückengift nachzuahmen, mischte Baunscheidt ein hautreizendes Öl zusammen, das auf die durch die Nadeln verwundeten Hautareale aufgetragen wurde. Durch die so entstehenden Pusteln sollten laut Baunscheidt Krankheitsstoffe aus dem Körper abgeleitet werden.

Baunscheidt selber nannte seine Erfindung schlicht „Mücke“, doch dankbare Patienten gaben ihm den Namen „Lebenswecker“.

Das Verfahren ging um die Welt und wurde in den folgenden Jahren, auch dank einer Empfehlung der damaligen Bonner Medizinischen Fakultät, von vielen Ärzten angewandt. Doch mit der Entwicklung der chemischen Pharmazeutika im 20. Jahrhundert verlor das Baunscheidt’sche Verfahren nach und nach an Bedeutung. In den letzten Jahren wurde es allerdings von der Naturheilkunde wiederentdeckt und kommt heute wieder häufiger zum Einsatz.

Autorin: Eva Ahlenstorf, Medizinhistorisches Museum Hamburg

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