Exponat der Woche

Starnadel

Starnadel - Exponat des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz

Unser Bild von den Standards der antiken Medizin speist sich aus zwei Quellen: aus den erhaltenen Schriften griechischer und römischer Ärzte sowie durch Funde medizinischer Instrumente aus dem gesamten Gebiet des Imperium Romanum. Da sich manche Ärzte seit Beginn der römischen Kaiserzeit bis in die Zeit Kaiser Konstantins mit ihren Instrumenten bestatten ließen, sind sogar ganze Instrumentensets einzelner Ärzte erhalten geblieben.

Ein solches komplettes Inventar eines Arztgrabes mit insgesamt 36 Stücken erwarb das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) im Jahr 1963 aus Privatbesitz. In diesem findet sich auch das nebenstehend abgebildete Objekt. Es zeichnet sich durch einen profilierten Griff aus, an dem zwei Nadeln mit jeweils einer runden und einer leicht abgeflachten Spitze angebracht sind. Diese Charakteristika ermöglichen es, die medizinische Anwendung des Objektes genau zu bestimmen.

Es handelt sich um eine antike Starnadel, mit der man – wohl seit dem 3. Jh. v. Chr. – den so genannten Starstich durchführte. Ziel dieses Eingriffes war es, die vom Grauen Star getrübte Linse aus der Pupillengegend zu entfernen. Dazu drang der Arzt mit der Starnadel an einer genau vorgeschriebenen Stelle in das Auge ein, nämlich auf Höhe der Linse und genau in der Mitte zwischen Hornhautrand und Schläfenwinkel. Hatte er die Linse erreicht, stach er diese mit der Nadel an und schob sie unter den Glaskörper im Inneren des Auges. Die heute übliche Extraktion der getrübten Linse wagten antike Ärzte dagegen nur sehr selten, da ihnen das Risiko zu groß war, dabei das Auge dauerhaft zu schädigen.

Exponat des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz

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