Exponat der Woche

Schiffsapotheke

Schiffsapotheke - Exponat des Deutschen Schiffahrtmuseums in Bremerhaven

Auf den Fracht- und Auswanderer-Seglern des 19. Jahrhunderts gab es keine Ärzte. Der Kapitän behandelte kranke Seeleute selbst und verabreichte Medizin aus der Bordapotheke. Auf jedem Frachtsegler gab es eine Medizinkiste. Im Deckel befand sich eine Dosierungsanweisung. Um 1850 kamen vermehrt ärztliche Ratgeber für den Gebrauch auf Schiffen auf.

Je nach Talent und Interesse eignete sich ein Segelschiffskapitän im Laufe seiner Seefahrtszeit ein umfassendes medizinisches Wissen an. Die meisten Kapitäne hatten neben ihrem Operationsbesteck und der Medizinkiste mit der dazugehörigen Dosierungsanweisung der Medikamente einen medizinischen Ratgeber für „Schiffsärzte“ an Bord. So erschien 1856 ein „Handbuch zum Gebrauch der Schiffsapotheke“, eine „gemeinfaßliche Heilkunde für Schiffsoffiziere“.

Die Apotheke bot Dutzende von Substanzen und anderen „Helferlein“ zur Behandlung von Beschwerden der Patienten an Bord. In ihm fanden sich zum Beispiel Rhabarbertropfen, die bei Magenbeschwerden helfen sollten, Bleiessig, mit dem Quetschungen oder Augenwarzen behandelt wurden, und Brechmittel, das bei Fleisch- und Fischvergiftungen eingesetzt wurde.

Oftmals waren die Schiffsführer in dem gefahrenreichen und unfallträchtigen Seegebiet um Kap Hoorn mit der medizinischen Versorgung ihrer Besatzungen überfordert. Dramatisch verlaufene Reisen von Frachtsegelschiffen erregten allerdings weitaus weniger öffentliches Aufsehen als z. B. der Ausbruch von Krankheiten auf Auswandererseglern des 19. Jahrhunderts. Hier lebten oft Hunderte Passagiere bei mangelnder Hygiene und schlechter Ernährung unter Deck eng zusammen und waren vom ärztlichen Geschick des Kapitäns oder seines Ersten Steuermanns abhängig. Der Ausbruch von Seuchen und ansteckenden Fieberkrankheiten an Bord führte immer wieder zu Presseberichten, in denen unhaltbare Zustände der Unterbringung und Verpflegung von Passagieren auf Auswandererschiffen angeprangert wurden.

In ihren Briefen an den Bremer und Hamburger Senat kritisierten die Konsuln in den chilenischen Häfen das häufige Auftreten der Vitaminmangelkrankheit Skorbut auf den langen Reisen um Kap Hoorn. Vor dem Seeamt wurde Skorbut erst seit den 1870er Jahren verhandelt und war noch in den 1920er Jahren auf Langreisen keine Seltenheit, obwohl Sauerkraut und Limonensaft als Vitamin-C-Spender längst bekannt waren.

Die schlechte Ernährungslage an Bord von Segelschiffen führte 1888 zur Publikation einer „Anleitung zur Gesundheitspflege an Bord von Kaufffahrteischiffen“, die auf Schiffen vorgehalten werden musste. Sie enthielt neben einem Verzeichnis der vorzuhaltenden Lebensmittel und Arzneien auch Therapie- und Behandlungserläuterungen.

Literaturhinweis: Ursula Feldkamp (Hrsg.): Rund Kap Hoorn. Mit Frachtsegelschiffen zur Westküste Amerikas. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung. Hamburg 2003.

Exponat des Deutschen Schiffahrtmuseums in Bremerhaven

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