Exponat der Woche

Amputationsbesteck

Amputationsbesteck - Exponat des Deutschen Schiffahrtsmuseums

Auf Frachtseglern wie auf Auswandererschiffen war im 19. Jahrhundert gewöhnlich keinen Arzt an Bord. Wurde jemand krank, so war der Kapitän für die Behandlung zuständig. Medizinische Grundkenntnisse erwarb er auf der Steuermanns- bzw. Navigationsschule. Hier wurden ihm auch die Grundkenntnisse zur Behandlung der an Bord geläufigen Krankheiten beigebracht. Er wusste, dass die vom hohen Salzgehalt der Nahrung an Bord herrührenden eiternden Furunkel, sogenannte „Schweinsbeulen“, aufschneiden musste, um den Eiter zu entfernen, er lernte, wie man Brüche schient, war Geburtshelfer, Operateur musste notfalls auch amputieren.

Für Operationen besaß der Kapitän Instrumente wie Skalpell, Klammern und eine Säge für Amputationen. Kranke, die an Bord nicht geheilt werden konnten, wurden auf Kosten der Reeder im Hafenkrankenhaus versorgt. Den Rücktransport in die Heimat bezahlte auch der Reeder. Für selbstverschuldete Krankheiten kam er nicht auf.

Mit dem Aufkommen großer Auswanderersegler forderten Interessenvertreter der Emigranten vergeblich den Einsatz von Ärzten auf diesen Schiffen. 1856 argumentierte der Navigationslehrer Arthur Breusing im Sinne der Reeder. Er befürchtete, daß nur der „Abschaum“ des Berufsstandes der Ärzte zu strapaziösen Überseereisen bereit sei und betonte, dass die Offiziere für die Versorgung von Kranken gut ausgebildet seien.

Seit 1888 waren alle Handelsschiffe verpflichtet, eine „Anleitung zur Gesundheitspflege“, herausgegeben vom Reichsgesundheitsministerium, an Bord zu haben. Arztpräsenz auf Schiffen wurde erst 1899 gesetzlich geregelt.

Literaturhinweis: Ursula Feldkamp (Hrsg.): Rund Kap Hoorn. Mit Frachtsegelschiffen zur Westküste Amerikas. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung. Hamburg 2003.

Exponat des Deutschen Schiffahrtsmuseums in Bremerhaven.

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