Exponat der Woche

Schwangere aus Elfenbein

Eine Schwangere aus Elfenbein - Exponat des Deutschen Medizinhistorischen Museums

Zierlich aus Elfenbein gedrechselte Frauengestalten wie diese waren im 17. und 18. Jahrhundert recht beliebt. In kunsthistorischen Werken werden sie gerne als Lehrobjekte für angehende Hebammen, Chirurgen oder Anatomen bezeichnet. Doch diese Interpretation kann nicht überzeugen. Die Ausarbeitung und Anordnung der inneren Organe ist viel zu grob und schematisch durchgeführt, um von didaktischem Nutzen für die Ausbildung von medizinischem Fachpersonal gewesen zu sein. Nur ein Beispiel: Das mittig platzierte Herz wird von zwei identisch geformten Lungenflügeln flankiert, die Untergliederung in die Lungenlappen wird lediglich durch eine quer verlaufende Kerbe angedeutet. Diese Art der Darstellung entspricht weder dem anatomischen Wissen noch der medizinischen Visualisierungspraxis des 18. Jahrhunderts.

Bei dem dekorativen Figürchen dürfte es sich vielmehr um einen exklusiven Sammlungsgegenstand für die Kunst- und Naturalienkabinette des 17. und 18. Jahrhunderts handeln. Sie waren edle „Spielzeuge für Erwachsene“, die amüsiert und fasziniert die Eröffnung und schichtweise Abtragung des Leibes verfolgten, bis sich ihren Blicken das ungeborene Kind darbot.

Das Deutsche Medizinhistorische Museum besitzt zwei dieser kostbaren Elfenbeinmodelle schwangerer Frauen. Da sich die beiden Figürchen stilistisch unterscheiden, dürften sie aus unterschiedlichen Werkstätten stammen. Das hier gezeigte Modell wurde wohl von dem Nürnberger Elfenbeindrechsler Stephan Zick (1639-1715) angefertigt, für dessen Arbeiten der abgespreizte kleine Finger und die „eingeschnittene“ Kniescheibe typisch sind.

Exponat des Deutschen Medizinhistorischen Museums

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