Exponat der Woche

Überträgt Krankheiten: die Stubenfliege

Die Stubenfliege - Exponat des Museums für Naturkunde in Berlin

Die Modelle des Präparators Alfred Keller (1902-1955, Berlin) gelten noch heute als Meisterwerke der Modellpräparation. Das abgebildete Exponat aus dem Berliner Museum für Naturkunde stellt die Stubenfliege (Musca domestica) in einem 50fach vergrößerten Modell dar. Es wurde im Jahr 1932 geschaffen.

Als wissenschaftlicher Modellbauer war Keller von 1930 an bis zu seinem Tod im Museum für Naturkunde tätig. Er schuf in dieser Zeit eine Vielzahl einmaliger biologischer Modelle, deren Anfertigung so aufwändig war, dass sie pro Modell ca. ein Jahr in Anspruch nahm.

Fliegen gehören zur Insektenordnung der Zweiflügler (Diptera), bei denen nur das vordere Flügelpaar ausgebildet ist. Die Hinterflügel wurden zu keulenförmigen Kölbchen reduziert, die den Körper während des Fliegens durch vibrierende Bewegungen stabilisieren. Zwei auffällige Hautlappen schützen diese Schwingkölbchen. Der relativ große Kopf ist sehr beweglich und nur über einen dünnen Halsabschnitt mit dem Körper verbunden. Fast der gesamte Kopf besteht aus den beiden Komplexaugen, zwischen denen drei Punktaugen und die kurzen Fühler sitzen. Die Fühler tragen Sinnesorgane zum Riechen, zum Hören und zum Fühlen der Luftströmungen. Fliegen haben auch an ihren Füßen Geschmacksrezeptoren. Einzigartig ist der Tupf- und Saugrüssel mit den zwei großen, polsterförmigen Saugkissen, der im Ruhezustand unter den Kopf geklappt wird. Zur Nahrungsaufnahme wird Speichel über die lösliche Nahrung verteilt. Anschließend wird sie in verflüssigter Form zwischen den Saugkissen zur Mundöffnung geleitet.

Doch was hat das mit dem Jahr der Gesundheitsforschung zu tun?

Insekten werden vor allem auf zweierlei Weise zu Krankheitsüberträgern. Stubenfliegen können an ihren Füßen Millionen von Mikroorganismen tragen, die ab einer gewissen Menge Krankheiten verursachen. Beispielsweise verunreinigen Fliegen, die mit Fäkalien in Berührung gekommen sind, Lebensmittel und Getränke, auf denen sie sich anschließend niederlassen. Auf diese Weise ziehen sich Menschen schwächende und teilweise tödlich verlaufende Krankheiten wie Typhus, Ruhr und sogar Cholera zu. Fliegen verbreiten außerdem das Trachom, weltweit die häufigste Erblindungsursache. Tsetsefliegen übertragen den Einzeller, der die Schlafkrankheit verursacht. Dieses Leiden betrifft Hunderttausende und zwingt die Bewohner ganzer Ortschaften, ihre fruchtbaren Felder aufzugeben. Kriebelmücken übertragen einen Parasiten, der Flussblindheit verursacht, wodurch schon etwa 400 000 Afrikaner ihres Augenlichts beraubt wurden. Schmetterlingsmücken können den Einzeller in sich tragen, der Leishmaniasen auslöst, eine Gruppe verschiedener entstellender Krankheiten, die zu Behinderungen führen und oft den Tod nach sich ziehen.  Laut einem WHO-Bericht sind unter allen krankheitsübertragenden Insekten Stechmücken die gefährlichsten, weil sie Malaria, Denguefieber und Gelbfieber verbreiten, die zusammen jährlich für mehrere Millionen Todesfälle und für Hunderte Millionen Infektionen verantwortlich sind. Malaria bedroht mindestens 40 Prozent der Weltbevölkerung und das Denguefieber ebenfalls etwa 40 Prozent.

Exponat des Museums für Naturkunde in Berlin

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