Exponat der Woche

Die Gläserne Frau

Die Gläserne Frau - Exponat des Deutschen Hygiene-Museums

Seit Juli läuft im Hygiene-Museum die Ausstellung “Images of the Mind”. Das Projekt “Gesundheit! Mehr Wissen im Museum” beteiligt sich an dieser Ausstellung – mit zwei besonderen Veranstaltungen: Einem Vortrag (29.9.) und zwei Sonderführungen (2.10.). Hingehen unbedingt empfehlenswert!

Ein Prototyp des Gläsernen Menschen – der eigentlich ein gläserner Mann war – wurde bereits 1927 von dem Modellbauer Franz Tschackert im Deutschen Hygiene-Museum entwickelt. Die Figur vollzog den Schritt von der Präsentation einzelner Organe zu einem Anschauungsmodell, das alle wesentlichen Bestandteile des Körpers in originaler Lage, im funktionellen Zusammen­hang und integriert in einen vollständigen Körper aus dem transparenten Kunststoff Cellon zeigte. Im Jahre 1930, anlässlich der II. Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden, wurde ein Gläserner Mann dann zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Ein Mitarbeiter des Deutschen Hygiene-Museums erinnert sich an die geradezu sakrale Atmosphäre des geräusch­gedämpften Raums, in dem die Figur damals gezeigt wurde: “Wenn dann der Raum vollkommen dunkel wurde, die inneren Organe, angefangen mit dem Herzen, nacheinander aufleuchteten, eine melodische Stimme von einer Grammophonplatte prägnante Erklärungen gab, waren die Besucher fasziniert von der ‘einsichtigen’ Wiedergabe des menschlichen Körpers.”

Der Gläserne Mensch war zum Zeitpunkt seiner Entwicklung eine technische und wissen­schaftliche Sensation: Blutbahnen, Nerven und Organe des menschlichen Körpers wurden sichtbar, ohne dass seine Oberfläche verletzt, die Haut aufgeschnitten werden musste. Er markierte den vorläufigen Höhepunkt einer jahrhundertealten Tradition der Sichtbarmachung der menschlichen Anatomie, die mit den großen Künstlern des 16. Jahrhunderts wie Dürer, Tizian, Michelangelo oder Vesalius begonnen hatte. Der Gläserne Mensch war aber auch die päda­gogische Weiterführung der Pionierleistung Wilhelm Conrad Röntgens, der 1895 die soge­nannten “X-Strahlen” entdeckt und den Körper für diagnostische Zwecke durchleuchtbar ge­macht hatte. 

In der Dauerausstellung “Abenteuer Mensch” des Deutschen Hygiene-Museums sind heute zwei Gläserne Frauen zu sehen: Die hier abgebildete erste Gläserne Frau von 1936 ist als eine Dauerleihgabe des Deutschen Historischen Museums in Berlin in einer Spezialvitrine zu bewundern, während eine funktionsfähiges Modell, das Anfang der achtziger Jahre gebaut wurde, von den Besuchern aktiv benutzt werden kann. Ebenfalls zu sehen ist der sogenannte “Virtuelle Mensch”, den das Deutsche Hygiene-Museum im Auftrag des Freistaates Sachsen für die EXPO 2000 in Hannover entwickelt hatte. Hier ist die drei­dimensionale Anschaulichkeit der historischen Exponate in die digitale Welt der Gegenwart übersetzt worden.

Exponat des Deutschen Hygiene-Museums

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