Exponat der Woche

Kleiner Helfer in der Hormonproduktion: der Stierhodenschneider

Stierhodenschneider - Exponat des Deutschen Technikmuseums, Foto: C. Kirchner, SDTB

Einige spezialisierte Organe des menschlichen (und auch des tierischen) Körpers produzieren spezielle Botenstoffe, die sogenannten Hormone, die im Körper bestimmte Prozesse regeln. So liefert die Schilddrüse Thyroxin, die Bauchspeicheldrüse Insulin und die Nebennierenrinde Adrenalin. Die Hormone werden in das Blut abgegeben, über den Blutkreislauf zum Wirkort transportiert und schließlich, häufig in unveränderter Form ausgeschieden. Manche Körperflüssigkeiten und vor allem die Drüsen selbst können also als Rohstoffquelle zur Gewinnung solcher Hormone dienen.

Keimdrüsen (beim Menschen Eierstöcke und Hoden) enthalten größere Mengen von Steroidhormonen, die für die Regelung der Sexualität zuständig sind. Als die Mediziner begannen, solche Sexualhormone zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden oder Wechseljahrstörungen einzusetzen, wurde als Rohstoffquelle der auf den Geburtsstationen der Berliner Krankenhäuser gesammelte Urin von Schwangeren verwendet. Später wechselte man zum Harn trächtiger Stuten, weil der deutlich mehr Östrogen enthält.

Für die Herstellung von männlichen Hormonen wurde Urin in den Berliner Polizeikasernen gesammelt.

Als ergiebigere Quelle erwiesen sich dann aber Schlachtabfälle wie Schweineovarien, Plazenten oder Stierhoden. Diese Gewebe wurden zunächst zerkleinert, dann wurden die gewünschten Hormone extrahiert. Die Ovarien ließen sich mit normaler Küchentechnik bearbeiten. Für die deutlich stabileren Stierhoden musste in den Forschungs-Laboratorien der Firma Schering eigens ein Instrumentarium hergestellt werden. Der abgebildete Stierhodenschneider stammt von dort.

 Exponat des Deutschen Technikmuseums, Berlin, Foto: SDTB/Kirchner

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