Exponat der Woche

Antikes Operationsbesteck: das Blasensteinskalpell

Blasensteinskalpell - Exponat des Römisch-Germanischen Zentralmuseums

Die Standards antiker Medizin zeigen sich neben den erhaltenen Schriften griechischer und römischer Ärzte besonders deutlich an Instrumentenfunden aus dem gesamten Imperium Romanum. Vollständige Instrumentensets stammen bevorzugt aus Gräbern, Einzelstücke dagegen eher aus den Überresten antiker Siedlungen, Militärlager oder Gutshöfe.

Aus einem solchen Kontext könnte das nebenstehend abgebildete Objekt stammen, dessen Fundort jedoch unbekannt ist. Es wurde vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) aus Privatbesitz erworben und wird auf die 1. Hälfte bis Mitte des 3. Jh. n. Chr. datiert. Schon seine Form gibt es als Instrument für einen speziellen chirurgischen Eingriff zu erkennen. Auffällig ist der sehr lange Griff. Dieser weist an der einen Seite den – für antike Skalpelle üblichen – Spalt für eine einsetzbare eiserne Klinge auf, die beim hier gezeigten Stück allerdings ausgebrochen ist. An der anderen Seite befindet sich dagegen eine Art Löffel, dessen Innenseite mit kleinen Widerhaken versehen ist.

Durch diesen ist das Objekt eindeutig als Blasensteinskalpell zu identifizieren, das speziell für die operative Entfernung unausgeschiedener Blasensteine entwickelt wurde. Bei diesem gefährlichen Eingriff wurde am Damm zwischen After und Geschlechtsorganen ein Schnitt gesetzt, um dann mit dem Löffel des Blasensteinskalpells den Stein zu entfernen. Dabei zeigt sich die durchdachte Form antiker medizinischer Instrumente: die Außenseite des Blasensteinlöffels war so glatt, dass sie den Patienten beim Einführen des Löffels nicht unnötig verletzte. Die Widerhaken der Innenseite ermöglichten es dagegen, den Stein sicher zu greifen.

Exponat des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz

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