Exponat der Woche

Glasaugentableau

Glasaugentableau - Exponat des Medizinhistorischen Museums Ingolstadt

Die 49 Glasaugen, die uns aus dem hübschen goldenen Rahmen anblicken, haben fast etwas Magisches. Wie ein Schmetterlingssammler seine Beute in Schaukästen anordnet, um Ordnung in die verwirrende Vielfalt der Natur zu bringen, so hat man hier kranke Augen „gesammelt“, abgezeichnet, nachgeformt und aufgereiht.

Unter jedem Auge ist ein Papierstreifen mit der französischen Krankheitsbezeichnung angebracht. Manche dieser Bezeichnungen sind heute noch gebräuchlich, andere eher obsolet. Nur ein paar Beispiele: Da finden sich weit fortgeschrittene Formen der „Cataracte“ (Grauer Star), bei denen die ursprünglich schwarze Pupille durch die extreme Trübung der Linse milchweiß erscheint, ein „Hypopyon“ mit einer deutlich erkennbaren Eiteransammlung in der vorderen Augenkammer und ein „Œil de Chat / Amaurotique“ (Katzenauge / erblindet), durch dessen weite Pupille das Augeninnere bläulich schimmert.

Die Koppelung der historischen Bezeichnung mit dem Erscheinungsbild der Krankheit erlaubt es, Aussagen darüber zu treffen, welche Veränderungen des Augapfels Pariser Augenärzte in den 1830er Jahren meinten, wenn sie die betreffenden Diagnosen verwendeten. Und das ist nicht zuletzt deshalb interessant, weil damals der forschende Blick des Arztes auf das Äußere des Auges beschränkt war. Erst 1850 wurde es mit der Erfindung des Augenspiegels durch Hermann von Helmholtz möglich, auch in das Innere des Auges zu blicken und die Strukturen des Augenhintergrundes zu untersuchen. Für Noël und seine Zeitgenossen bot der äußere Aspekt des Auges dagegen nicht nur eine, sondern die einzige Information für die Diagnosefindung. Dadurch erhielten die in Glas verewigten pathologischen Veränderungen für die Ausbildung zukünftiger Augenärzte ihre besondere Bedeutung.

Exponat des deutschen Medizinhistorischen Museums Ingolstadt

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